Einleitung Akzeleration

Einleitung Akzeleration

Unter schulischer Akzeleration ist jede Maßnahme zu verstehen, die es einer Schülerin oder einem Schüler ermöglicht, den vorgesehenen Lehrplan insgesamt oder Teile davon früher zu beginnen, zu beenden oder schneller zu passieren, als es teils üblich, teils gesetzlich vorgesehen ist.
Zu den in Deutschland am häufigsten angewandten Formen von Akzeleration gehören die frühe Einschulung, das Überspringen von einer oder mehreren Klassen, Überspringen in einem Fach und das Frühstudium.
Obwohl es in den letzten Jahren häufiger vorkommt, lösen vor allem die ersten drei Formen bei Eltern, Erzieherinnen und Lehrkräften immer noch Sorge aus. Zum einen wird befürchtet, dass die Kinder und Jugendlichen unter Leistungsdruck gesetzt werden, zum anderen, dass es Schwierigkeiten mit den sozialen Beziehungen gibt wenn sie mit deutlich älteren gemeinsam unterrichtet werden. Bisherige Untersuchungen zeigen, dass beide Befürchtungen unberechtigt sind – wenn es sich um das ‚richtige’ Kind handelt, d.h. es ist hinreichend begabt für den Schritt, und wenn es richtig vorbereitet und begleitet wird.
 
Vielleicht hilft den Lehrkräften folgende Vorstellung: Behandelt ein Kind, das springt, wie eines, das aus einem anderen Bundesland oder auch aus dem Ausland zuzieht. Es kann auf demselben Leistungsstand sein wie die aufnehmende Klasse, es kann aber auch in einigen oder in allen Fächern weiter sein oder den Stoff noch nicht beherrschen. Das kann an anderen Lehrplänen liegen, das Leistungsniveau kann insgesamt höher oder niedriger gewesen sein, es kann daran liegen, dass Unterricht – im Vergleich zur aufnehmenden Klasse – stattfand oder wegen Lehrermangels ausfiel. In jedem Fall wird jede einzelne Lehrkraft feststellen, ob es dem Unterricht in ihrem Fach folgen kann oder noch Stoff aufholen muss. Eines ist auf jeden Fall anders als bei durchschnittlich begabten Kindern, die zuziehen: Die potenziellen SpringerInnen können außerordentlich schnell neuen Stoff aufnehmen und verarbeiten, wenn sie motiviert sind. Und das sind sie in der Regel, wenn sie in die Entscheidung einbezogen waren. Einige bezeichneten als Erwachsene die Zeit des Aufholens nach dem Überspringen als die schönste Zeit in der Schule: Zum ersten und vielleicht zum einzigen Mal durften sie geistig rennen, anstatt zu schleichen.
Soweit es die sozialen Beziehungen betrifft: Hochbegabte haben häufig ältere Freundinnen und Freunde, weil sie von der Entwicklung besser zueinander passen. In erster Linie müssen die Köpfe zueinander passen, nicht ein ähnliches Geburtsjahr oder die Körpergröße. Gerade die Körpergröße ist ein wichtiges Kriterium, aber nicht das wichtigste. Kinder mit Zwergwuchs werden auch nicht ihr Leben in der Grundschule verbringen, weil die Körpergröße passt.
„Akzeleration ist eines der kuriosesten Phänomene im Bildungsbereich. Ich kenne kein anderes Thema, das so einen breiten Graben zwischen Forschungsergebnissen und allgemeinen Überzeugungen aufwirft. Die Akzelerationsforschung ist so einhellig positiv, die Vorteile der richtigen Akzeleration so eindeutig, dass es nur schwer nachvollziehbar ist, wie sich Pädagogen dagegen sträuben können“ (Borland James H. (1989). Teachers College, Columbia University, Planning and Implementing Programs for the Gifted, S. 185).
Genauere Informationen, welche Kinder und Jugendliche für Akzeleration in Frage kommen, wie es vorbereitet und begleitet werden sollte, finden sich in Büchern und Aufsätzen.

Kontakt

Institut für Enrichment & Akzeleration
Dr. Annette Heinbokel, Dipl. Päd.

Bismarckstr. 100
28203 Bremen

Telefon 0421 988 830 93
IEuA@swbmail.de
www.IEuA.de

Sprechstunde:
nach Vereinbarung

Handbuch Akzeleration


Annette Heinbokel
(2. Auflage 2012)
Handbuch Akzeleration – Was Hochbegabten nützt, LIT Verlag, Münster
ISBN 978-3-643-10245-4